Weihnachtsstollen mal anders

Vorgeschichte

Es war in der Türkei… Ich war mit meiner Familie im Urlaub und wir hatten einen Tagesausflug gebucht. Dieser führte uns nach Antalya und in das Aquarium (auch wenn der Ausflug sonst ein Reinfall war – das Aquarium hat uns gefallen und das möchte ich auch ausdrücklich weiterempfehlen!).
Im Grunde begann es bereits im Bus. Man kennt das: Der Bus nimmt einen auf und man fährt die Hotels ab, wo die ganzen Tourteilnehmer warten.
Ich hatte mein Kindle dabei und war am Lesen. Da stiegen ein paar Gäste ein und ein Herr fiel mir auf. Er war nämlich besonders gut drauf und begrüßte alle mit einem melodischen “Guten Morgen :-D” 

Später standen wir als Gruppe an einem vereinbarten Treffpunkt nach dem Aufenthalt in Alanya und und unterhielten uns über das Erlebte. Wir stellten eine Gemeinsamkeit fest: Die Aufdringlichkeit der Verkäufer war für uns nichts. Die Versuche, uns in jeden Laden zu ziehen und überteuerte Waren (Plagiate) zu verkaufen, waren schlicht unangenehm.

Anhand der Erzählungen des Herrn war so mein Gedanke: Der ist ein Geschäftsmann. Er sticht heraus, sowohl optisch mit seiner grünen Brille, als auch, wie er kommuniziert. Er war mir einfach ausgedrückt sympatisch, so dass ich mich anschließend gerne mit ihm unterhielt. Wir unterhielten uns über Arbeitszeiten und er meinte, dass er viel Nachts arbeitet. Als ich nachfragte, meinte er, dass er Bäckermeister ist – mit eigener Bäckerei in Dresden und Bäcker arbeiten nun mal viel in der Nacht.

Dann wurden wir zu einem Juwelier “gekarrt”. In der Türkei geht es wohl nicht ohne Verkaufsveranstaltung…
Jedenfalls wurden wir dort durch die Räumlichkeiten geführt von einer Dame mit Tattoos. Der Mann (ich kannte seinen Namen bis dahin noch nicht) erwähnte, dass ihm die Frau gefällt wegen den Tattoos. Interessiert fragte ich nach. “Ich suche ein ausgefallenes Model für ein Werbeplakat. Je zugehackter, desto besser”. Da machte es bei mir Klick, aber ich wollte ihn nicht überfallen. Macht man im Urlaub nicht…

Da er mir erzählt hat, dass er eine Liebe zu GB entwickelt hat und auch ein englisches Taxi als Firmenwagen (stolz zeigte er mir den edlen Wagen auf seinem Handy) fährt, war mir klar, dass ich ihn wohl problemlos googlen würde können. Aber das behielt ich mir bis ins Hotel vor.

Ich hatte ihn im Nu gefunden den Rüdiger Zopp, aber ich wollte dennoch bis nach dem Urlaub warten. Zu Hause angekommen wartete ich noch ein paar Tage, bis ich ihn anrief.
Er konnte mich nach kurzer Überlegung an mich erinnern und ich erzählte ihm, dass ich Fotograf in Leipzig bin – spezialisiert auf Pärchenfotografie. Er hat erzählt, dass er ein volltätowiertes Model will. Ich biete ihm ein ganzes Pärchen…

Ich musste lachen, als er mein Angebot mit den WOrten “Ja, ich will!” annahm. 😀

Modelsuche, nicht ganz einfach

Für das männliche Model musste ich nicht überlegen. Ich kannte eins, mit dem ich schon mehrfach geshootet hatte und wo ich wusste, dass Optik und Zuverlässigkeit stimmen: Enrico Kauschke

Das weibliche Model gestaltete sich schwieriger, weil ich kein Model im Bekanntheitskreis hatte, die extrem tätowiert war. Dazu kam, dass das Model natürlich auch zu Enrico passen und auch Rüdiger gefallen musste. Ich startete diverse Aufrufe bei Facebook und Co. und bekam auch einige Interessenbekundungen, aber das perfekte Model war nicht dabei.

Bis ich eines Tages ein Shooting mit einem Stammmodel hatte und ihr Freund (Calvin Burkhardt – in Szenekreisen ein bekannter DJ) auch über viele Tattoos verfügte. Da ich bei Shootings immer gerne quatsche, erwähnte ich auch, dass ich zur Zeit ein spezielles Model suche. Er empfiehl mir Jessica Hannak – ein erfahrenes Tattoomodel – und stellte sogleich den Kontakt her. Sie passte wie die Faust auf´s Auge.

Los geht´s

Ich bin zwar sehr spontan und kreativ, aber nie planlos. Daher hatte ich mir auch einige grobe Bildideen im Kopf zurecht. Rüdiger hatte mir einen Stollen sowie sein Stollenmesser als Assessoires zugeschickt. Den Whisky stellte ich selber. Und ja, es ist echter Whisky 😉 

Was auf dem ersten Blick einfach aussieht, entpuppte sich als ziemliche Schwierigkeit. Denn ich musste Gefühle einfachen und gleichzeitig das Produkt hervorheben. Vier Arme, vier Gegenstände. Und alles musste vom Blickwinkel passen und erkennbar sein.
Die Kleiderwahl war auch nicht unwesentlich. Ich fand Hosenträger außergewöhnlicher als Krawatte und so entstand das obere Bild.
Bei einem Lachen müssen immer alle gleich lachen! Z.H. entweder zeigen alle Zähne oder keiner. Was lapidar klingt, macht im Endergebnis einen Riesenunterschied.

Die Nudelszene bei Susi und Strolchi

Das Bild war eigentlich Ausschuss….
Ich wollte die berühmte Nudelszene aus “Susi und Strolchi” nachstellen nur halt mit Stolle. Wir brauchten X Versuche und ehrlich gesagt, hat mir kein Ergebnis gefallen, so dass ich die Szene abbracht. Lustiger Weise fand Rüdiger gerade dieses Bild besonders toll.

Die Probleme Herausforderungen:

  • Stolle bricht! Und das sogar sehr schnell. Also hielt ich den Beiden vorsichtig das Stollenstück hin und sie mussten von beiden Seiten reinbeißen, ohne es kaputt zu machen.
  • Ich wollte einen verliebten Blick von den Beiden… Ähm ja, bei jedem Versuch brachen die Beiden einfach nur in Lachen aus.
  • Sie sollten sich Beide anschauen und auch die Zähne gleich zeigen. Ging einfach nicht. Dadurch, dass wir einfach immer nur lachen mussten – ja ich konnte auch nicht ernst bleiben – gelang es uns einfach nicht, die Vorstellung umzusetzen

Da es aber dem Auftraggeber am besten gefallen hat…

Nicht das Perfekte ist geil, sondern das Echte!

Szenenwechsel mit Messereinsatz

Das Stollenmesser musste natürlich auch zum Einsatz kommen. Da ich nicht wollte, dass alles Bilder einen schwarzen Hintergrund haben, folgte das nächste Set mit weißen Hintergrund.

Ein glänzendes Messer ist wie ein Spiegel. Das heißt, man kann es sehr schön mit dem richtigen Licht zum Glänzen bringen, aber man muss auch aufpassen, dass nichts reflektiert wird, was man nicht möchte. Millimeter machen da einen entscheidenden Unterschied!

Zu guter Letzt – ROMATIK!!!

Jessica wechselte auf ein gelbes Oberteil, Enrico auf ein schwarzes und ich musste unbedingt noch eine Lichterkette einsetzen 😉
Das erste Bild gestaltete sich etwas schwieriger von der Komposition und der Lichtsetzung. Von Enrico verlangte ich starke Körperspannung, denn er musste vom Oberkörper leicht aufgedreht sein. Und die Kopfhaltung durfte auch keinen unschönen Hals machen.

Für Enrico war es total ungewohnt. Musste ich ihn doch immer wieder zum lachen bringen und er sollte Zähne zeigen. Umso mehr freute ich mich, als er mir Tage später schrieb:

“Das sind die ersten Bilder von mir, auf denen ich lache und alle meinen, ich sehe gut aus!”

Ab in die Zeitung

Der Bäckermeister Rüdiger Zopp schickte mir das obige Bild von der allgemeinen Bäckerzeitung.

Ja außergewöhnliche Werbung ist eben auch medienwirksam 🙂

Auf jeden Fall hat Rüdiger – dem es nicht ausgefallen und verrückt genug sein kann – schon eine Idee für die nächste Werbekampagne.

Hier geht´s zur Website von Rüdiger Zopp. Der Dresdner Mühlenbäckerei!

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